Lebensfreude

Hier findest Du Verse, falls Du einfach mal was zum Lachen oder Heulen brauchst

 



Montagmorgen im Januar

Wenn das Neue beginnt
Braucht‘s manchmal einen Stups
Dass das Kind
Mit einem Hups
Ganz beschwingt
Vom Beckenrand springt
Ob es dann schwimmt?
Ganz bestimmt!
Es erklimmt einen Gipfel
Grüßt vom Baumwipfel
Und setzt auf‘s I einen Tüpfel

Gedicht vom Kleinen Wicht 16.01.2023

Pfingstsonntagmorgen 2022

Der Erste ist bereits seit einer Stunde wach
Zugegeben diese erste Stunde
Verlief ganz schön gemach

Aber um 7 Uhr reicht es dann auch
Kinder werden bekannt ungemütlich
Mit einem kleinen Loch im kleinen Bauch

Trüblich blickend befiehlt man mit lautem Begehren
Und wehe Dir Du lässt dann nicht gewähren
Dein Kind um 7:10 Uhr verzehren
500g Kulturheidelbeeren

Soll ich etwa anfangen laut zu brüllen?
Oder willst Du mir wohl meinen Willen erfüllen?
„Viele! viele! alle! alle! meine! meine! meine!“
Oder willst Du etwa, dass ich gleich hier laut weine?

Der Zweite kommt
Und der Erste will sich so gar nicht beeilen
Seinen Kulturschatz
Brüderlich mit ihm zu teilen

„ERDBEEREN AUCH!“
Der Erste lässt es so richtig krachen
Vorhergesagt waren für heute Gewitter
Schon morgens, direkt nach dem Aufwachen

Es wird dann doch noch geteilt
In zwei gleiche Schalen
Zwei gleiche Schalen?
Welcher Depp ließ diese
Unterschiedlich bemalen?

„NEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!
ICH, ICH bekomme das Gelbe“
Das Violette oder das Gelbe
Das ist schließlich und überhaupt und so gar nicht dasselbe

Für einen Moment blicken zwei zufrieden drein
Drei Sorten Beeren im Mund
Und einen Heiligenschein

Der Heilige Geist
Erweist uns vielleicht morgen die Ehre
Das wäre doch mal was
Wenn er in unserer Wohnung einkehre

Der Familienbesuch steht an
Das heißt sodann, dass ich euch zwei jetzt bade
Pfingstsonntagmorgen- 8 Uhr…
…nur mit Schokolade

Gedicht, vom Kleinen Wicht,
Pfingstsonntagmorgen 2022- 9 Uhr





Im Norden vor acht

Kurz vor acht
Hoch im Norden
Nach dunkler Nacht
Im Grauen am Morgen
Fragte ein Mann mit Sorgen:
Olaf! Moin, Moin! hast Du mal nen Bitcoin?

Gedicht vom Kleinen Wicht


Schöne weite Welt

Ich warte doof
Am Ostbahnhof
Erschlage Zeit
Die Welt scheint weit

Vom blauen Himmel höre ich
Wie ab und zu, gelegentlich
Ein blauer Kranich schreit

Er schreit befreit
er schreit so laut
Dass jeder Blick gen Himmel schaut

Da ergreift mich der Moment
Hab ich doch die Zeit verpennt
Ungetrübter Sonnenschein
Schöne Welt bist Du so klein

S-Bahn 8
Startbahn West
Unser Leben sei ein Fest
Tag und Nacht

Voller Glück
Blick zurück
Frankfurts Skyline heller Schein
Take my time- bye bye Rhein-Main

Gedicht vom Kleinen Wicht
Spätsommer 21


Brexit

Am Rhein, da wächst ein süffiger Wein
Der darf aber nicht nach England hinein

So beginnt ein Gedicht anno 1932
Von Kurt Tucholsky
Der schrieb derzeit fleißig
Und Gott gab ihm beeindruckende Weitsicht mit
So überschrieb er seine Verse mit dem Titel „Brexit“

Wenn Sie jetzt einwenden, dass sei gar nicht wahr!
Der Titel des Gedichtes ein ganz
anderer sogar!
Ja! Dieses Gedicht des Herren Tucholsky
Ganz im Sinne des Herren berühmter Ironie
Es heißt, es hieß ganz sonderbar
Und doch auch irgendwie ganz wunderbar
Es heißt, es hieß: Europa

Gedicht vom Kleinen Wicht Herbst 2021


Europa!

Kennst Du den Strand von Marseille?
Kennst Du den Strand von Marseille, wenn Du frierst?
Wenn Du in ein Erdloch kriechst und Dich mit einem Pappkarton bedeckst, weil Du frierst?
Vor Deinen Augen erstreckt sich die Weite des Meeres
Du aber, Du bist gefangen an Land,
Mein Opa Heinz hat diesen Strand so gekannt.

Nach Endkampf und Kriegsgefangenschaft
Hat er sich dort aufgerafft
Er traf auf Madame Bernadette aus Burgund
Und
Madame Bernadette
Fand die Pfalz, Irmgard und Heinz sehr nett
So kam sie jedes Jahr
Mit einer Schülerschar

Er war mein Opa
Er war ein kleiner Vater von Europa
Sein Werk von Dauer
Wie das von Adenauer
Et aujourd‘hui
Je dis merci
Merci cher grand-père henri

Gedicht vom Kleinen Wicht Herbst 2021

Das Ideal

Ja das wär sie doch:
Die ideale Arbeitswelt
Mit Unternehmensgewinnen
Für Investitionen die Zukunft im Ansinnen
Und noch: Vereinbarkeit von beruflicher und privater Pflicht
Und noch: eine stets respektvolle Atmosphäre
Und im Gegenzug wäre das Honorar
Eine motivierte, engagierte, sich schätzende Schar
Von der man, Primus inter pares, ein Teil ist, ganz schlicht

Und doch…letztlich
Sprach der Grauhaarige im Niederlassungs-Seminar
Eines sei vollkommen klar:
Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind von Natur aus gegensätzlich!

Sonst nichts? Ist es das nur?
Wen kümmert heute schon die Natur!
Sonst würden wir uns ja darin üben und dann fröhlich davon berichten
Vom Verzichten
Ernstes Thema, Spaß beiseite
Denn wie gestern fragen wir uns auch heute
Was ist denn nun schon wieder los?
Und wer regiert dieses Chaos?
Der Boss?
Nein, der Boss allein ist dafür viel zu klein
Denn, der etwas auszuführen hat
DER hat das Können parat
DER weiß es doch am besten
Nicht irgendeiner oben, unten oder anderswo
Es lebe ergo
Das Preußische Operative Kommando
Mit Kompetenz vor Rang
Und wenn, dann bitte mit bestem Beispiel voran
Eigenverantwortung, die motiviert
Das ist der Klang!
So wird seit jeher in Deutschland geführt!

Ich war die ersten 10 Berufsjahre so ein- und angestellt
Nicht nur für Geld
Die 10 Jahre, es ist wirklich wahr,
Die ich angestellt war
Brachte morgens einen hellen gelben Schein
Nur die frühe Sonne durch das Fenster herein
Damit war ich beileibe nicht allein
Es existierte ein Vorbild: Uschi
Nicht der Boss, aber lebenserfahren genug
Und klug darüber geworden
Durch Freude und manche erlebte existenzielle Sorgen
Ging sie voran, an jedem neuen Morgen

Eine laute Autorität, die kannte ich mal auch
Mit entsprechend flauem Gefühl täglich im Bauch
Gebraucht hätte ich das nie
Aber heute weiß ich, statistisch ein Fünftel bräuchte diese tägliche Portion
Klare, manchmal laute, einschüchternde Motivation
Ein Fünftel…das ist einfach viel zu viel
Das ist das Arbeitsleben, das ist kein Börsenspiel
Doch soll alles mit dem Fünftel den Bach runterlaufen?
Und alles am Ende mit den Ignoranten ersaufen?
Ist doch totaler Irrsinn denke ich leise
Und ärgere mich weiter still über manche Weise
Warum nur?
Nur wegen gegensätzlicher Natur?
Ist das nicht zu erkennen?
Also ist es doch besser, die Emotionen brennen?
Mit täglichem Beben?
Nein! Denn so wurde eben in Preußen nie geführt
Dass man es im Magen spürt

So ließe man (die mit ausfallendem Gehabe) besser sitzen
Statt derer sinnlosen Emotionen, statt der Arbeit, zu schwitzen
Die anderen (die genau das bräuchten) ließe man besser ziehen
Würden dann nicht am Ende alle alleine dastehen

Liebe Arbeitgeber, wie oft hörte ich Euch sprechen
Geld verdienen sei kein Verbrechen
Geld verdienen sicherlich nicht
Maßhalten im Übrigen schlicht auch nicht
Aber Gier und Angst sind eben starke natürliche Triebe
Und Gier und Angst münden oft in Hiebe
Arbeitgeber, die Angst und Gier überwinden
Sind, wie die Uschis, gar nicht so leicht zu finden

Arbeit ist keine bloße Bürde
Arbeit gibt dem Meschen vor allem Würde
So lange der Mensch Herr über die Arbeit bleibt
Darüber sprach der Papst am Heiligen Abend zum Geleit
Und als irdischer Wicht kann man da nur bestätigen
Leben die Tätigen erst ab Freitag-Mittag
Dann fehlt ganz schön viel Zeit bis zum Sarg

Bilanz:
Nun, der Grauhaarige, ein Herr Dr. Sauer aus Schwaben,
Geborene Führungsfunktion, von Natur aus erhaben,
Er behält am Ende wohl wirklich Recht
Denke ich bilanzierend, einsichtig, klein und leise
Er sprach wohlwissend und er sprach aus Erfahrung weise
Was er sprach, bleibt trotzdem schlecht
Fatal


Gedicht vom Kleinen Wicht  KW 12 2022